Durch den Hilfsfonds geförderte Projekte

Durch den gemeinsam mit anderen Hamburger Stiftungen aufgelegten Hilfsfonds »Kunst kennt keinen Shutdown« konnte die Hamburgische Kulturstiftung insgesamt 302 freischaffende Hamburger Künstler*innen und -gruppen mit einer Gesamtsumme von mehr als 700.000 Euro unterstützen. In der ersten Förderrunde im April 2020 wurden 380.000 Euro an 162 Kunstschaffende ausgeschüttet. In der zweiten Förderrunde im Juli 2020 gingen 320.000 Euro an 140 Künstler*innen und -gruppen. Insgesamt waren in beiden Runden 1.029 Anträge eingegangen. 

Gefördert wurden Projekte aller Sparten von Bildender und Darstellender Kunst über Musik und Literatur bis zu Kinder- und Jugendkultur und Kulturvermittlung. Die Bandbreite der Formate reicht von virtuellen Ausstellungen, Podcasts, Streaming, Online-Unterricht und Austauschplattformen bis zu analogen Formen wie Hofkonzerten, künstlerischen Recherchen, Kunstwerken im öffentlichen Raum, Romanen und Künstlerbüchern.

  • Axel Loytved macht mit seinem Projekt »Blind Spots – Dazwischen« auf den vermeintlichen kulturellen Stillstand aufmerksam © Axel Loytved

  • Das Ensemble OBLIGAT Hamburg erstellte zu seinem 25-jährigen Bestehen einen Film © OBLIGAT

  • André Lützen setzt die Begrenzungen zum Lockdown in surreales Licht © André Lützen

  • In der Werkserie »Who cares« hinterlässt Franziska Nast Botschaften auf Beton © Rahel Bruns

  • Schauspieler Hanno Krieg im FUNDUS THEATER aus der Fotoserie »Only the Artist« von Helge Schmidt und Laura Uhlig © Maren Janning

  • Durch den Hilfsfonds kann Patricia Carolin Mai ihre Soloperformance KONTROL in eine filmische Arbeit übertragen © Hanna Naske

  • Split-Screen-Aktion von Paul Lazare zum Mitmachen © Paul Lazare

  • Welche Auswirkungen kann ein Ort auf unser Bewusstsein haben? Die Fensterinstallation ASK THE MOUNTAIN im Künstlerhaus Sootbörn von Sylvie Ringer © Julian Ringer

  • Hindernisse machen erfinderisch: Das Improvisationstheater Hidden Shakespeare stellte ein Experiment zwischen Hörspiel, Kino, Musik und Theater auf die Beine © Hidden Shakespeare

  • Über Youtube stellte Jul Gordon ihren neuen Comic »Und – was habta jetzt vor?« vor – eine Sammlung ihrer seit Mai 2019 gezeichneten Träume © Jul Gordon

Geförderte Projekte (Auswahl)

Hier stellen wir Ihnen laufend Projekte vor, die aus Förderung durch den Hilfsfonds »Kunst kennt keinen Shutdown« entstanden sind:

Aus seinem Projekt »Die goldene Börse der Sehnsüchte« las der Theatertexter Carsten Brandau am 5. September im Rahmen der Hamburger Langen Nacht der Literatur. Der Text ist zum einen eine Recherche zu pandemiegerechtem, »kontaktlosem« Theater und zum anderen eine Hilfestellung zu dessen Umsetzung. In seinem Auftritt brach er den institutionalisierten Theaterbegriff auf und brachte »Shutdown-Theater« zum Besten.

In einer online Konzertreihe präsentieren Lydia Schmidl (Akkordeon) und Jorge Paz Verastegui (Gitarre) als Lux Nova Duo zeitgenössische Werke von Hamburger Komponist*innen. In bisher drei Videos kann das Publikum nicht nur die von dem Duo interpretierten Stücke sehen, sondern erhält durch Interviews mit den Komponist*innen entscheidende Hintergrundinformationen. Bisher sind folgende Videos zu sehen: »Amor« von Catalina Rueda, »Tao« von Dong Zhou und »Arcobaleni« von Prof. Fredrik Schwenk.

Vom glücklichen Zufall, dem glücklichen Moment und dem Lebensglück handelte eine literarische Reise mit den Theatermacherinnen und Schauspielerinnen Gesche Groth und Morena Bartel. Im Rahmen des Gärtenfestivals in Wilhelmsburg am 6. September stöberten sie in Klassikern, Ratgebern, Kinderbüchern, Märchen, Zeitschriften, Liedern, Zitatsammlungen und machten sich ihre ganz eigenen Gedanken – ZUM GLÜCK.

Mit seinem Stück »Vulkan: Weimar zwischen Glanz und Gosse « entwickelt das Axensprung Theater den zweiten Teil seiner historischen Theater-Trilogie über die Weimarer Republik. Dabei nehmen sie die Zuschauer*innen direkt mit in den Entwicklungsprozess des Stückes: Durch das »Tagebuch in seltsamen Zeiten« kann man verfolgen, wie die verschiedenen Komponenten entwickelt werden und per E-Mail selbst Vorschläge einreichen.

Ganz besonders ist bei dem Projekt »Vom Fallen und Steigen« von Johannes Nehlsen und Alexander Riemenschneider die Publikumssituation: In der Christianskirche in Ottensen liegen die Zuschauer*innen in Liegestühlen, hören eine für diesen Anlass geschriebene Komposition von Samuel Penderbayne und sehen auf dem Sternenhimmel der Kirchendecke Installationen, die Philipp Kronenberg live zur Musik erschafft. Das Thema ist – durch die Pandemie inspiriert – das Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Schutz und der Sehnsucht nach Freiheit.

In seinem Film dokumentiert das Ensemble OBLIGAT Hamburg das gleichnamige Festival für Kammermusik und das 25-jährige Jubiläum des Ensembles.

In ihrem interdisziplinären Projekt »Unbetretbarkeiten« hat die Künstlerin Naho Kawabe eine Online-Plattform geschaffen, auf der Künstler*innen aus Europa, Asien und Amerika Gespräche über veränderte Kommunikations- und Lebensstrukturen im Zuge der Pandemie führen. Die Kommunikation erfolgt auf ganz unterschiedliche Art und Weise über das Konferenztool Zoom – meditierend, malend oder mit den Händen arbeitend.

Axel Loytved antwortet mit seiner achtteiligen Serie »Blind Spots – Dazwischen« auf den vermeintlichen kulturellen Stillstand. Seine unscharf abfotografierten Plakatmotive plakatiert er auf Werbeflächen inmitten von langsam abblätternden Veranstaltungsplakaten. Durch die Unschärfe heben sie sich von ihrer Umgebung ab, erzeugen eine Irritation und ziehen so die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Website von Mark Henckel dokumentiert, wie sich Hamburger*innen während des Shutdowns in der Nachbarschaft engagiert und zum Beispiel Suppenküchen auf die Beine gestellt haben. Die Geschichten visualisiert er in Bildern, Interviews und Videos. Über ein Kontaktformular können Interessierte eigene Berichte hochladen.

André Lützen macht mit seinen Fotografien durch den Shutdown begründete Begrenzungen im öffentlichen Raum sichtbar: Absperrbänder, Schutzfolien und Abstandsmarkierungen auf Spielplätzen, in Ruhezonen und Fitnesseinrichtungen. Seine Motive suchte er nachts auf, um sie mit LED-Taschenlampen weiter von der Umgebung zu isolieren und in ein absurdes Licht zu setzen.

Statt im Rahmen von Residenzen mit internationalen Künstler*innen zusammen zu arbeiten, stellte die Choreografin Veronique Langlott ihr Projekt auf eine digitale coronakompatible Durchführung um: Sechs Tänzer*innen aus dem Senegal, dem Iran, der Ukraine, aus Südkorea, Malaysia und Deutschland erlernen über Zoom sechs Volkstänze – basierend auf den meist geklickten Volkstanz-YouTube-Videos in dem jeweiligen Land. Unter dem Titel »G(L)ocal Choreographies in digital frames« werden die Ergebnisse der Recherche demnächst auf einer Online-Plattform veröffentlicht.

In ihrem Atelier im Künstlerhaus Sootbörn zeigte die Künstlerin Sylvie Ringer die Fensterinstallation ASK THE MOUNTAIN. Thema ist der kanadische Ort Kamloops, den buddhistische Mönche in den 1980er Jahren als Zentrum des Universums erklärten. Mittels Zeichnungen und Arbeiten auf Papier untersucht sie, welche Wirkung eine solche Zuschreibung eines Stücks Land hat, unterbewusst sowie körperlich.

Da sie noch nicht auf die Bühne durften, haben die Künstler*innen des Improvisationstheaters »Hidden Shakespeare« ein Hörspiel mit Bild und Musik für den Kinosaal entwickelt. Während das Publikum im Zeise Kino saß und Vorschläge einwerfen konnte, improvisierten die Schauspieler*innen von zuhause aus – per Stream übertragen auf die große Leinwand.

In ihrem Videoprojekt »mehrsterne« gehen die Künstlerinnen Lucja Romanowska, Jane O'Brien und Kijoka Junica der Frage nach, wie weibliche Kunstschaffende in der Hansestadt netzwerken und wie sich ihre Schaffenssituation auch in Bezug auf die Auswirkung der Coronakrise gestaltet. Dafür erstellen sie Clips über Netzwerke und Frauenförderung in der Kulturszene sowie Soloporträts von Künstlerinnen.

Mit einer youtube-Lesung stellen zwei Comic-Zeichnerinnen ihre neuen Bücher vor: Kathrin Klingner liest aus »Über Spanien lacht die Sonne« und Jul Gordon aus »Und – was habta jetzt vor?« Die Geräusche zu Jul Gordons Lesung stammen von der Künstlerin Marie Vermont.

Die durch die Corona-Pandemie bedingte Leere in Hamburgs Theatersälen setzen Regisseur Helge Schmidt und Schauspielerin Laura Uhlig mit der Fotografin Maren Janning in der lakonisch-poetischen Fotoserie »Only the Artist« in Szene.

Zur gemeinsamen Erforschung der eigenen Stimme lud Stimmkünstlerin Frauke Aulbert mit partizipatorischen Online-Performances ein, von ihr selbst angekündigt als »five absurd encounters«: Unter dem Titel »sing – run fast – sing« war das Publikum gefragt, Geräusche unter Wasser auszuprobieren, zu eigenen Sounds zu tanzen oder einmal durch die Wohnung zu rennen und anschließend zu singen.

Mitmachen ist bei der Online-Aktion des Schlagzeugers und Komponisten Paul Lazare ausdrücklich erwünscht: Interessierte machen zu seinen Grooves Musik – als Instrument ist vom eigenen Körper über die Büroklammerdose bis zum Küchengerät alles erlaubt – und schicken ihm davon Videos, die er am sogenannten Split-Screen zu einem Gesamtwerk zusammensetzt.

Mit der Werkserie »Who cares« hinterlässt die Bildende Künstlerin Franziska Nast per Hochdruckreiniger flüchtige Kommentare auf Betonflächen. Bisher zu sehen u. a. vor der Galerie Melike Bilir in der Admiralitätsstraße, vor dem Künstlerhaus FRISE, im Gewerbehof Borselstraße und im Gängeviertel.